Unser Bild: Schier unüberwindlich war beim 0:0 gegen den VfB Theley Borussias Torhüter Tera Langoun Ibrahim, der auch in dieser Situation gegen Gäste-Akteur Lennox Nofts die Lufthoheit behauptet. (Foto: -jf-)
„Nach einer ersten Hälfte mit Vorteilen für die Gäste entwickelte sich der zweite Durchgang zu einer regelrechten Abwehrschlacht.“ Diesem Fazit von fupa.net-Liveticker Axel Bastian kann sich wohl jeder anschließen, der das Spiel der Borussia gegen den VfB Theley unter der souveränen Leitung von Schiedsrichter Valmir Selmonaj (vom SV Ritterstraße) gestern Nachmittag vor Ort im Ellenfeld gesehen hat. Abwehrschlacht – ein Begriff, der aus dem Kriegswesen kommt, dann aber auch – weit weniger martialisch – auf den Fußball übertragen wurde. Was kennzeichnet eigentlich eine sportliche Abwehrschlacht? Bemüht man die Künstliche Intelligenz (KI), so erhält man folgende Antwort: „Eine Abwehrschlacht ist eine extreme Defensiv- und Drucksituation, in der eine Mannschaft über weite Strecken oder das gesamte Spiel hinweg fast ausschließlich mit dem Verhindern von Gegentoren beschäftigt ist.“ So weit, so gut, so bekannt. Überprüft man die Kategorien, die eine Abwehrschlacht auszeichnen, kann man mit Fug und Recht festzustellen, dass auch im Detail der Begriff für die gestrige Partie im Ellenfeld zutrifft.
Zum einen: Tiefe Staffelung. Die Mannschaft zieht sich weit in die eigene Hälfte oder sogar in den eigenen Strafraum zurück. Das war auch gestern vor allem nach der Pause zu beobachten. Es herrschte zeitweise echter Belagerungszustand rund um den Borussen-Strafraum. Entlastung gab es kaum noch, was auch daran lag, dass den Schützlingen von Senat Memedovski ein Spieler fehlte, der in der Lage war, die langen Abschläge von Keeper Tera Langoun Ibrahim festzumache, bis von hinten nachgerückt wurde. So gingen viele Bälle prompt wieder verloren, die Theleyer Angriffsmaschine kam mehr und mehr ins Rollen.

Augen zu und durch: Kopfball-Terzett mit (v.li.) Borussias Hamza Alobaidaad und Theleys Mike Bach (Nr. 47) und Matthias Grad (Nr. 17). (Foto: -jf-)
Daraus folgte Kategorie zwei: Dauerdruck! Der Gegner hatte deutlich mehr Ballbesitz und drängte ununterbrochen auf den entscheidenden Treffer, phasenweise gab es brenzlige Situationen vor dem Borussen-Tor im Minutentakt. Dass kein Tor fiel, lag zum einen an der mangelnden Konzentration im Abschluss. „Alda, was mache mir da“, entfuhr es Theleys Nummer 6, Massimiliano Santalucia, nach einer der zahlreich vergebenen Großchancen. Auch die Anhänger der Gäste auf der Gegengeraden wurden zunehmend ungeduldig, ja ungehalten und haderten mit ihren Stürmern: „Wie kann man nur solche Chancen vergeben“, war als Ausdruck der Fassungslosigkeit zu hören. Teammanager Mario Loncar vermisste dabei vor allem „die Körperspannung vor dem Tor“. Das war schon in der Anfangsphase zu sehen, als Lars Webers Abschluss geblockt wurde (3.) und Philipp Scherer völlig frei vor Tera Ibrahim aus halbrechter Position das Leder über die Latte knallte. „Da müssen wir eigentlich schon 2:0 führen“, bemängelte VfB-Coach Martin Brill.
Dass Theley kein Tor gelang, war zum anderen aber auch dem dritten Faktor der Abwehrschlacht geschuldet: Der herausragenden Performance des Torhüters. In der Tat: Tera Ibrahim Langoun besaß mit Strafraumbeherrschung nicht nur die Lufthoheit im Strafraum, sondern avancierte mit schnellen Reflexen auf der Linie und in Eins-zu-eins-Situationen im wahrsten Sinne des Wortes zum „Turm in der Schlacht“. Ob gegen Mathis Kasper (18.), Philipp Scherer (26.), Christian Schäfer (29.) oder Lennox Nofts (44.) vor der Pause oder vor allem in der Schlussphase gegen Matthias Gard (88.) und Lars Weber (90.+2), um nur einige Szenen zu nennen: Borussias Keeper brachte sie alle an den Rand der Verzweiflung, und das ganz besonderes bei einem platzierten Schuss von Michael Stolz, der ziemlich exakt den rechten oberen Torwinkel angezielt hatte, dann aber staunend mit ansehen musste, wie Tera Ibrahim seine ganze Körpergröße inklusive Pranken ausfuhr und mit einer Monsterparade das Leder aus dem Eck faustete (77.). Da hatte auch Theleys Anhang den Torschrei schon auf den Lippen.

Großchance für Borussia: Ferhat Kizmaz´ Eckball landete auf der Latte statt im Tor, Theleys Keeper Engel hatte wohl noch die Fingerspitzen am Leder. (Foto: -jf-)
Doch ein Klasse-Torwart kann es nicht alleine richten. Nötig ist auch Abwehrschlacht-Faktor vor: Körperlicher und mentaler Einsatz. Den zeigte gestern Nachmittag die gesamte Truppe ganz in Gelb, die einen aufopferungsvollen Kampfgeist an den Tag legte, immer wieder ein Bein dazwischen brachte und keinen Meter Boden kampflos preisgab. Bezeichnend die Aussage von Stefan Iacono nach den 90 und ein paar Minuten mehr: „Ich habe mir heute gleich mehrere Blasen gelaufen!“
Auch das letzte Kriterium einer Abwehrschlacht wurde gestern zumindest teilweise erfüllt: Das Ziel, einen Sieg oder ein Unentschieden zu retten, ging am Ende auf, auch wenn ein „lucky punch“ nicht gelang. Dazu hatten die Borussen, bei denen in der Offensive vieles Stückwerk blieb, allerdings zwei Mal die große Chance: Nach 18 Minuten lag das erste Saisontor in der Luft, als Davin Presser nach einem Missverständnis in Theleys Abwehrkette auf der rechten Bahn freie Fahrt hatte, das Leder aber über den etwas weit vor dem Tor stehenden Torwart Nathan Engel knapp am Kasten vorbeizog. Und nach 56 Minuten senkte sich ein mit dem linken Fuß gezirkelter Eckball von Kapitän Ferhat Kizmaz, wohl noch von Torhüter Engel entscheidend abgelenkt, auf die Latte des Theleyer Tores. Fällt hier ein Tor, dann hätte sich durchaus eine alte Fußballer-Weisheit wieder einmal bewahrheiten können: „Wer vorne die Dinger nicht wegmachst, bekommt hinten das Gegentor!“

Mit vereinten Kräften hielten sie das Tor sauber: Brooklyn Mac Phee, Marvin Müller, Tera Ibrahim Langoun und Stefan Iacono gegen Theleys Justin Bernhardt. (Foto: -jf-)
So war das torlose Remis am Ende einer Abwehrschlacht der verdiente Lohn für Borussias Kampfgeist. Trainer Senat Memedovski konnte im abschließenden Spielerkreis seinen Schützlingen „eine Leistungssteigerung gegenüber den letzten Spielen, in denen wir untergegangen sind wie die Titanic“, attestieren. Alle hatten sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und die letzten Körner aus sich herausgeholt – umso wichtiger, als von der Bank personell nicht entscheidend nachgelegt werden konnte. Der zweite Saisonpunkt steht jetzt auf dem Konto, vielleicht ein kleiner Schritt nach vorne. Aber auch lange und beschwerliche Wege beginnen mit einem kleinen Schritt. (-jf-)
Statistik: Borussia – VfB Theley 0:0
Borussia: Tera Ibrahim Langoun – Tobias Haag, Stefan Iacono, Brooklyn Mac Phee, Marvin Müller, Ferhat Kizmaz (C), Ben Meinen, Leo Odesho (ab 67. Sinan Memedovski), Actan Yücel (ab 46. Tjorven Joel Gehre), Hamza Alobaidaad (ab 90. Actan Yücel). – Trainer: Senat Memedovski.
Tore: Fehlanzeige. – Schiedsrichter: Valmir Selmonaj (SV Ritterstraße). – Zuschauer: 200 – Gelbe Karten Borussia: Brooklyn Mac Phee (56.), Stefan Iacono (68.), Tobias Haag (84.), Darvin Presser (90.), Ferhat Kizmaz (90.+2).
Unsere Bilder vermitteln Eindrücke vom gestrigen VfB-Duell zwischen der Borussia und dem Gast aus Theley. (Fotos: -jf-)



















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