„Für jeden Spieler eine Ehre, dort spielen zu dürfen!“

Thomas Funke und seine Familie aus Münster ist vom Besuch im Ellenfeld-Stadion tief beeindruckt

Gefragt waren sie, gefragt sind sie: Stadiontouren durch das Ellenfeld. Nicht nur am Tag des offenen Denkmals, sondern auch anlässlich der Heimspiele der Borussia lassen sich immer wieder Gruppen von Fußballfreunden durch das historische Stadion führen und sind nach oft mehr als zwei Stunden von den Einblicken in die einzigartige Atmosphäre der Bundesliga-Gründerjahre begeistert. Wesentlich mit dazu bei trägt die lebendige und mit vielen Details und Anekdoten garnierte Gestaltung des Rundgangs durch die Ellenfeld-Kenner Dr. Jens Kelm und Wolfgang Rausch. Das zeigen zahlreiche Einträge ins Gästebuch. Eine ganz besondere E-Mail hat die Borussia in den vergangenen Tagen aus Münster erreicht. Ein Mitglied der dortigen Preußen und darüber hinaus auch Schalke-Fan war mit Familie (Foto oben/privat) auf der Durchreise aus dem Urlaub im Ellenfeld zu Gast. Seine Eindrücke und Gedanken stehen stellvertretend für fast alle Besucher des altehrwürdigen Stadions und sind es wert, an dieser Stelle präsentiert zu werden. Thomas Funke will auch in seinem Umfeld Werbung für das Ellenfeld machen und schreibt:

„Meine Familie und ich möchten uns ganz, ganz herzlich für die überraschende und spontane Stadiontour durch das Ellenfeld-Stadion bedanken. Es war für uns alle Vier eine wirklich unvergessene Reise in eine Zeit, in der der Fußball noch für andere Werte, Bodenständigkeit, mannschaftliche Geschlossenheit und vor allem lokalen bzw. Regionalbezug stand. Das Ellenfeld ist ein Sehnsuchtsort, der jedem das Herz öffnet, der diesen unseren Fußballsport abseits der Kommerzialisierung so sehr liebt. Und ich hoffe sehr, dass der Denkmalschutz hilft, diesen einzigartigen Ort über Generationen weiter zu erhalten. Ich bin sehr dankbar, dass meine Töchter es spüren und riechen durften, wie sich der Fußball früher anfühlte und vor allem, was seine Magie ausmacht. Auf viele dieser diffusen Gefühle und Fragen hat die Stadiontour ganz viele unausgesprochene Antworten gegeben.

Ich bin selbst 53 Jahre alt und habe als Kind bei Münsters Preußen mit 14 Jahren angefangen, Stadionzeitungen zu verkaufen, damit ich ab dem 16. Lebensjahr selbstständig nach Schalke fahren konnte. Dort bin ich auch seitdem Mitglied, meine Töchter seit Geburt. Ich habe damals noch viele dieser alten Stadien erlebt und jedes einzelne hatte sein eigenes Charisma. Diese Phase der Fußballgeschichte ist allerdings im Zuge der Kommerzialisierung nahezu ausradiert (siehe auch den Mönchengladbacher Bökelberg), und die Sehnsuchtsorte Stadion wurden zu austauschbaren Mulktifunktionsarenen und Amusement-Parks. Nicht so das Ellenfeld!

Und deshalb wünsche ich Euch und allen Borussen, dass es irgendwie gelingt, dieses Erbe zu bewahren und in Ehren zu halten, und dass es in Zukunft mehr Unterstützung sowohl finanzieller Art durch die Stadt Neunkirchen als auch tatkräftige Unterstützung durch mehr ehrenamtliche Helfer und Hände gibt, damit die Borussia wieder annähernd in Sphären spielen darf, die diesem tollen Stadion gerecht werden. Für jeden Spieler kann es nur eine Ehre sein, auf diesem Rasen spielen zu dürfen. Viele liebe Grüße und Glück auf!“

Erinnerungen an Preußen Münster: Auszüge aus dem Stadionmagazin „Blick ins Ellenfeld“ vom April 1995 (oben). Frank Süs ebnete mit seinem Tor zum 1:0 den Weg zum 2:0-Erfolg der Borussia. (Fotos: Ellenfeld-Verein/Archiv Borussia Neunkirchen Ralf Schwender)

Apropos Preußen Münster: Der 1906 gegründete Traditionsverein, heute in der 3. Liga unterwegs, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga, stieg aber postwendend nur ein Jahr später, gemeinsam mit dem 1. FC Saarbrücken, wieder in die Regionalliga ab, wodurch die Preußen leider ein Gastspiel bei der 1964 gerade aufgestiegenen Borussia im Ellenfeld verpassten. So dauerte es bis in die 90er-Jahre, ehe sich beide Clubs in der damaligen Regionalliga West/Südwest in vier Pflichtspielen gegenüberstanden. Borussia konnte beide Heimspiele (1994/1995 mit 2:0, 1995/96 mit 1:0) für sich entscheiden, auch im Preußen-Stadion blieben die Borussen unbesiegt, gewannen 1994/95 gar mit 3:1 und nahmen ein Jahr später beim 1:1 einen Punkt mit ins Saarland, was aber den Abstieg in die damals drittklassig Oberliga nicht verhindern konnte.

Mit einer Zaunfahne dokumentiert: Das „Schalke des Südwestens“! Eisen, Grube, Stahl – der Borussen-Leo unterstützt die Kumpels aus der Hüttenstadt bei einem Marsch ins Ellenfeld-Stadion. (Foto: Ellenfeld-Verein e.V./Archiv Borussia Neunkirchen Ralf Schwender)

Beide Vereine eint darüber hinaus die Namensverwandtschaft, ist Borussia doch nichts anderes als die lateinische Version von Preußen. Und Schalke-Fan Thomas Funke sei noch in Erinnerung gerufen, dass der Borussia schon früh das Attribut „Schalke des Südwestens“ verliehen wurde: Max Klein war der Erste, der „vom Schalke des Südwestens“ sprach. Zur Genese dieses Begriffs trugen beim Autor des Buches „Höllenglut an Himmelfahrt“, das die Aufstiegsrunden zur Bundesliga in den Jahren 1964 bis 1973 zum Thema hat, verschiedene Faktoren bei. Neunkirchen: Berühmt für Kohle, Stahl und Eisenindustrie. Borussia: ein Fußballverein, dem es einst gelang, eine hohe Identifikation mit der Mannschaft zu schaffen. Unter dem Motto „Hoch lebe Eisen, hoch lebe Stahl, hoch lebe die Borussia“ hatten Fans aus fast alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schichten den Traditionsverein aus der kleinsten Bundesligastadt als Sympathieträger des saarländischen Fußballs unterstützt und waren im Stadion zu einer fördernden Einheit geworden. In einem Stadion, das als eines der ältesten Schauplätze des deutschen Fußballs gilt – seit mittlerweile mehr als 114 Jahren rollt hier der Ball. Keine Frage, in den 60ern entstand dort im Ellenfeld ein Mythos, der dem vom Gelsenkirchener Kultclub ähnlich war!

Vielen Dank an Thomas Funke und seine Familie für dieses wunderbare und motivierende Feedback! Unser Ellenfeld – mehr als nur ein Stadion! (-jf-)

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