„Keine vier Tore schlechter!“

Keine Belohnung für großen Aufwand: Borussia liefert gegen Hellas Bildstock über weite Strecken erneut eine Partie auf Augenhöhe, muss sich aber nach torloser erster Hälfte am Ende mit 0:4 geschlagen geben

Unser Bild: Vor Hellas-Torwart Grenner am Ball ist hier Borussias Dhiyauldin Fouzi Souysi, doch wieder landet das Leder nicht im Tor. (Foto: -jf-)

Als Senat Memedovski im traditionellen Spielerkreis nach der Partie gegen Hellas Bildstock in die Augen seiner Schützlinge blickte, konnte er dort eine gute Portion Frust erspüren. Verständlich! Denn nach einer Leistung, für die sich die Borussen nicht schämen müssen, stand es am Ende 0:4. Ernüchternd! Noch zur Halbzeit durfte nämlich jeder im Lager der Schwarz-Weißen vom ersten Tor, ja sogar vom ersten Saisonsieg träumen. Da waren die Borussen, die sich in der Offensive deutlich verbessert zeigten, nah dran und eine Führung hätte dem Team sichtlich gutgetan. „Es fehlten halt wieder mal nur ein paar Prozent. Wir waren keine vier Tore schlechter“, fühlte sich der Borussen-Coach wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Was dennoch Mut machen kann: „Da haben wir bisher schon schwächere Mannschaften gesehen“, war aus Bildstocker Kreisen zu hören. Ein schwacher Trost, aber immerhin!

Gegen Ende der ersten 45 Minuten, in denen beide Teams ihre Chancen hatten, lag der Führungstreffer für Borussia durchaus in der Luft. So verpasste Ben Meinen nach einer Auflage von Dhyauldin Fouzi Sousy von der rechten Seite den passenden Moment zum Abschluss, so dass noch ein Bildstocker Abwehrbein zum Blocken kam (43.). Und nur wenig später war es erneut der sehr engagierte 19jährige Mittelfeldspieler, dessen Flanke Bennet Grenner zwischen den Hellas-Pfosten vor Probleme stellte, so dass der Hellas-Keeper das Leder gerade noch so zur Ecke ablenken konnte (44.). Auch die Gäste hatten ihre Gelegenheiten. So rauschte eine scharfe Hereingabe von rechts quer durch den Borussen-Strafraum ohne dass sich in der Mitte ein Abnehmer fand (20.), und bei einigen Standards waren entweder Ibrahim Langoun Tera im Borussen-Tor oder die vereinte Defensive der Borussia aufmerksam genug, um den Rückstand zu verhindern.

„Eine Schlüsselszene des Spiels“ sah Boris Schellenberg dann unmittelbar nach Wiederanpfiff. Denn da bot sich Borussia nach einem forschen Angriff über die rechte Außenbahn gleich mehrfach die Einschussmöglichkeit, als Francsico Alves Victorino und Ferhat Kizmaz die Hereingabe von Dhiyaudlin Fouzi Souysy aus guter Position, die im fupa.net-Liveticker zurecht als „Großchance“ bewertet wurde, nicht in den bis dahin durchaus verdienten Führungstreffer ummünzen konnten (46.) – der hätte den Borussen ganz sicher noch mehr Zuversicht gegeben! Stattdessen gab es nur 7 Minuten später auf der anderen Seite Elfmeter: Lukas Schweitzer nahm das ungeschickte Einsteigen der Borussen-Defensive dankend als Foul entgegen, ehe sein Stürmerkollege Felix Rehm den Strafstoß erbarmungslos rechts oben ins Netz vollstreckte, wobei Tera Ibrahim Langoun die Ecke zwar „gerochen“ hatte, gegen den harten und platzierten Schuss aber machtlos war. Wieder liefen die Borussen jetzt einem Rückstand hinterher!

Gute Gelegenheiten zum ersten Saisontor boten sich Ferhat Kizmaz (oben gegen Hellas-Keeper Grenner) und Francisco Alves Victorino (unten), dessen Abschluss hier unmittelbar nach der Pause an Bildstocks Abwehrmauer abprallt. (Fotos: -jf-)

Und den erhöhte erneut Felix Rehm nach 70 Minuten mit seinem achten Saisontreffer auf 0:2. Auch wenn die Köpfe bei Borussia nun eher nach unten gingen, bemühten sich die Schützlinge von Senat Memedovski weiter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um den Anschluss. Dabei galt es allerdings, die Balance zu wahren zwischen bedingungsloser Offensive und weiterhin stabiler Defensive, wollten die Borussen den Gästen, die vor allem mit ihren flinken Flügelflitzern geradezu auf eine Lockerung der Borussen-Abwehr lauerten, nicht ins offene Messer laufen. Denn wie leicht das passieren konnte, zeigte die Szene zum 0:3, als Justin Jung eine Ablage von Manuel Zimmer in den Rücken der Borussen-Deckung eiskalt rechts unten einnetzte und damit die Partie vorentschied. Man muss Borussia auch in der Schlussphase zugute halten, dass alles versucht wurde, angesichts der geschwundenen Sieghoffnungen wenigstens das erste Saisontor zu markieren. Gelegenheiten dazu boten sich vor allem Kapitän Marvin Müller, der nach Flanke von Ferhat Kizmaz und Kopfballvorlage von Dhiyauldin Souzi Fouzy aus elf Metern zum Schuss kam, den Ball aber nicht richtig traf und Keeper Grenner so vor keine allzu großen Schwierigkeit stellte. Der Hellas-Torhüter musste kurz vor Schluss nach einem langen Ball von hinten heraus gegen Dhiyauldin Souzi Fouzy noch einmal Kopf und Kragen riskieren, um ein Gegentor zu vermeiden. Fabian Adeyemi blieb es vorbehalten, nach einem erneuten (diesmal sehr strittigen) Elfmeterpfiff vor den Augen seines Vaters, des früheren Borussen-Spielers und -Trainers „Tunji“ Adeyemi, der die Partie von der Gegengeraden aus verfolgte, das Endresultat von 0:4 zu besorgen.

Appell an die Geschlossenheit: „Als Team noch näher zusammenrücken“ will Coach Senat Memedovski (unten) trotz aller Enttäuschung (oben, Kapitän Marvin Müller) mit seinen Jungs vor dem schweren Gang am kommenden Dienstag ins Homburger Waldstadion. (Foto: -jf-)

Was unter dem Strich bleibt? Die Borussen boten dem Gegner über weite Strecken ein Spiel auf Augenhöhe. Und das, obwohl mit Francisco Alves Victorino und Brooklyn Mac Phee zwei Akteure nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren: Der eine konnte unter der Woche wegen eines grippalen Infektes gar nicht trainieren, der andere ist schon seit Wochen angeschlagen. Dass sich beide dennoch in den Dienst der Mannschaft stellten, spricht für ihre Mentalität. Umso besser, dass nach einigen Wochen Celestin Moukouri wieder zur Verfügung stand und mit Stefan Iacono ein Ex-Borusse nach Reaktivierung in der Schlussphase sein Comeback feierte. Boris Schellenberg bedauerte, „dass uns in einigen Situationen auch einfach das Quäntchen Gück gefehlt hat Die Mannschaft hat erneut einen Riesenaufwand betrieben, sich dafür aber nicht belohnt.“. Trainer Senat Memedovski ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, „dass das oft so ist, wenn du unten drinstehst: Dann triffst du aus 5 Metern das leere Tor nicht, wohingegen dann, wenn du oben stehst, der Ball aus 25 Metern genau in den Winkel passt. So geht das im Fußball“, versuchte er auch seinen sichtlich enttäuschten Schützlingen zu vermitteln und appellierte nach den 90 Minuten vor allem an die Geschlossenheit: „Da gibt es nur eine einzige Option: Noch näher zusammenrücken, im Training unbeirrt weiterarbeiten und nicht die Nerven verlieren! Dann kommen wir gemeinsam auch aus dieser Situation raus.“ (-jf-)  

Statistik: Borussia – SV Hellas Bildstock 0:4 (0:0)

Borussia: Tera Ibrahim Langoun – Tobias Haag, Brooklyn Mac Phee (ab 75. Hamza Alobaidaad), Celestin Moukouri, Marvin Müller (C), Yaman Alakoud (ab 20. Actan Yücel), Francisco Alves Victorino (ab 75. Leonard Odesho), Ferhat Kizmaz, Ben Meinen (ab 80. Yaman Alakoud), Davin Presser (ab 80. Stefan Iacono), Dhiyaudlin Fouzi Souzy. – Trainer: Senat Memdovski.

Tore: 0:1( (53.), Felix Rehm (Foulelfmeter), 0:2 (70.) Felix Rehm, 0:3 (76.) Justin Jung, 0:4 (90.) Fabian Adeyemi (Foulelfmeter). – Schiedsrichter: Leo Schwamm (SV Auersmacher). – Zuschauer: 250. – Gelbe Karten Borussia: Yaman Alakoud (8.), Ferhat Kizmaz (10.).

Untenstehend einige Impressionen vom Auftritt der Borussia gegen Hellas Bildstock. (Fotos: -jf-)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*