Ferhat Kizmaz, Ex-Jugendspieler der Borussia, ist eine feste Größe im Team / Für Trainer Senat Memedovski ein „absolutes Vorbild“ / Als Kapitän will er „Bindeglied sein zwischen Jung und Alt sowie zwischen Mannschaft und Trainer“
Er ist kein Lautsprecher. Eher ein stiller Arbeiter. Er ist kein Riese, eher der Typ „Terrier“ Marke Berti Vogts. Ein Kämpfer vor dem Herrn, zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, gibt dabei alles: Ein echter König Löwenherz. Und übernimmt Verantwortung: Nicht nur in der Familie mit Ehefrau und drei Kindern (zwei Mädchen, 12 und 5 Jahre alt, ein Sohn, eineinhalb Jahre), sondern auch in seinen beiden kleinen Unternehmen, den saarnovia-Immobilien, und dem KF-Hausmeisterservice. Und dazu für die Borussia: Ferhat Kizmaz (Foto oben/KI) durfte in Scheuern die Mannschaft erstmals als Kapitän auf den Platz führen. Auch wenn es sportlich nicht gut lief, auch wenn er bei vorherigen Stationen bereits die Kapitänsbinde getragen hat: „Es war schon ein ganz besonderes Gefühl, diesen Verein als Kapitän zu repräsentieren.“ Wie wertvoll der 36jährige für die Mannschaft ist, zeigt eine neue Statistik-Rubrik des Portals fupa.net: Mit einem (auf der Basis von Leistungsdaten erhobenen) MVP-Wert von 87 Prozent gehört er zu den Top-Spielern der Borussia!

Angefangen hat die sehr bewegte Karriere des „Weihnachtskindes“ (er erblickte am 24. Dezember 1989 das Licht der Welt!) in seinem Heimatort Merchweiler. Im Team der jungen Preußen fiel er bei einem Spiel gegen Borussia Jugendleiter Joachim Weber und Coach Christoph Serr auf. Die lotsten ihn dann ins Ellenfeld. Dort kickte Ferhaz Kizmaz – in der A-Jugend unter Trainer Heinz Histing unter anderen mit Hendrik Zuck, Daniel Ruschmann, Carsten Trapp, Manuel Schuck und Max Wettmann. „Noch auf dem alten Hartplatz. Für mich als Schüler eine harte Zeit, Zu Training und Spiel mit dem Bus vom Heimatort in Merchweiler nach Neunkirchen. Da wurde es oft genug 22 Uhr und später, bis ich wieder zuhause war“, erinnert er sich. Schon damals wurde sichtbar: Auf Ferhat Kizmaz ist Verlass! Unter Jupp Henkes und Adetunji Adeyemi trug er im Ellenfeld auch das Trikot der zweiten Mannschaft. Nächste Station: VfB Alkonia Hüttigweiler unter Coach Bernd Rohrbacher, wie Ferhat Kizmaz gebürtiger Merchweilerer und späterer FCS-Profi. Anschließend für drei Jahre Rückkehr zu den Preußen auf den Haldy. Nach einem kurzen Intermezzo beim TuS Wiebelskirchen der Sprung zu den Sportfreunden Köllerbach in die Oberliga, wo er mit Trainer Melori Bigvava erneut auf einen Ex-Borussen traf. Der zweite Versuch, bei Borussia Fuß zu fassen, diesmal unter Christoph Serr in der zweiten Mannschaf, wurde jäh durch Insolvenz beendet, das Team wurde aufgelöst. So landete Ferhat Kizmaz beim türkischen Sportclub in Neunkirchen, mit dem er sogar das Viertelfinale im Saarlandpokal erreichte. Es folgte ein Ausflug in die Pfalz zur SG Knopp-Wiesbach, dann wieder zurück zum Heimatverein in Merchweiler und weiter zur SVGG Hangard. Schließlich rief ihn Vincenzo Simonetta nach Quierschied. Doch das war noch nicht das Ende!

Saison 2006/07: Mit Borussias A-Jugend spielte Ferhat Kizmaz (untere Reihe rechts) unter Trainer Heinz Histing (oben rechts) in der Regionalliga. (Archivfoto: Stadionmagazin „Mythos Ellenfeld“, Sonderausgabe Jugend)
Denn Ferhat Kizmaz war natürlich nicht entgangen, dass die Borussia im vergangenen Winter insolvenzbedingt in ärgste Nöte geriet. Also ergriff er die Initiative: „Bevor dieser traditionsreiche Club vor die Hunde geht“, erzählt er, „will ich nochmal die Fußballstiefel schnüren und den Verein unterstützen.“ Ein Anruf genügte, fortan war der 36jährige wieder ein Borusse. Im Ellenfeld will er seine ganze Erfahrung einbringen und damit auch als Bindeglied zwischen jüngeren und älteren Spielern, zwischen Mannschaft und Trainerteam fungieren. Ganz besonders wichtig für ihn: „Das will ich nicht als Lautsprecher tun, das entspräche auch gar nicht meinem Naturell. Ich will durch Leistung überzeugen.“ Das ist ihm bislang voll und ganz gelungen. „Ferhat ist sportlich wie menschlich ein absolutes Vorbild“, singt Trainer Senat Memedovski ein ganz hohes Lied auf seinen neuen Kapitän. Dem ist die derzeit schwierige Situation bewusst: „Wir dürfen nicht zu viel erwarten. Jeder versucht sein Bestes, auch der Trainer. Nicht zu vergessen: Wir kommen praktisch aus dem Nichts, hatten im Sommer so gut wie gar keinen Kader. Die Jungs, die zu uns gekommen sind, kamen fast alle aus unterklassigen Clubs.“ Was Ferhat Kizmaz ein bisschen Mut macht: „In einigen Spielen, gerade gegen die Top-Teams aus Lebach-Landsweiler, Primstal und Steinbach haben wir gut dagegengehalten. Mit ein bisschen mehr Cleverness wäre der eine oder andere Punkt mehr drin gewesen.“

Es werde jetzt, so wirft er einen Blick voraus, wichtig, bis zum Winter nach Eichhörnchen-Manier „so viele Punkte wie irgendwie möglich zu sammeln. Denn dann ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit, personell ein wenig nachzulegen. Wenn wir die Klasse halten würden, wäre natürlich für die kommende Spielzeit eine bessere Perspektive gegeben.“ Doch um das zu erreichen, muss vor allem der Teamgeist stimmen. „Wenn du da in der jetzigen Lage keinen Zusammenhalt hast, hast du keine Chance“, davon ist Ferhat Kizmaz überzeugt. Dazu gehört auch, „dass wir die Situation so annehmen, wie sie jetzt halt ist.“ Seinen Beitrag dazu will Ferhat Kizmaz auf jeden Fall leisten. Nicht als Lautsprecher, sondern in gewohnter Manier: Mit Zuverlässigkeit, mit Verantwortung, mit viel Fleiß und harter Arbeit. „Gib alles, nur nicht auf!“ Dieser Titel des Buches von Schalkes legendärem Jugendtrainer Norbert Ellgert spiegelt exakt Ferhat Kizmaz´ Mentalität. „Ich will alles tun, um zu helfen und den Verein wieder auf die Beine zu stellen.“ Ein Mann, ein Wort. Die Borussen dürfen sicher sein: Dafür wird der kleine Kämpfer mit dem großen Löwenherz jeden seiner 170 Zentimeter reinhauen! (-jf-)
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