VfB-Duell im Ellenfeld

Borussia, VfB e.V. erwartet am Samstag (Anstoß:15.30 Uhr) im Ellenfeld-Stadion den VfB Theley: Gelingt endlich das erste Tor und/oder der erste Sieg? / Wir blicken in die Historie zurück und stellen den Gegner vor

Mit dem VfB Theley begrüßt Borussia einen Verein, den man mit Fug und Recht zu den Traditionsclubs des Saarlandes zählen darf. Der 1919 gegründete Club hatte seine erfolgreichste Zeit in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich die Schwarz-Weißen in der Regionalliga Südwest, die damals die zweithöchste Spielklasse Deutschlands darstellte, mehr als achtbar verkauften. Die Spielzeit 1972/73 beendete der „Dorfverein“ auf dem 10. Tabellenplatz und ließ dabei so renommierte Clubs wie TuS Neuendorf, den SV Alsenborn und sogar den saarländischen Rivalen 1. FC Saarbrücken (!) hinter sich. Im Schnitt 3.500 Zuschauer pro Heimspiel honorierten die prächtige Leistung der Männer vom Schaumberg. 1977 erreichte man als Saarlandpokalsieger nach einem 2:0-Erfolg gegen den BFC Preußen sogar die zweite DFB-Pokal-Hauptrunde, in der sich der MSV Duisburg beim 0:4 allerdings als eine Nummer zu groß erwies.

Nach einigem Auf und Ab gelang 1999 noch einmal der Aufstieg in die Oberliga Südwest, wo die Theleyer dem Meister Borussia Neunkirchen gleich zweimal das Leben schwer machten: Nach einem 0:0 im Hinspiel im Ellenfeld konnte der VfB im Schaumberg-Stadion durch die Treffer von Heiko Schneider (46.) und Timo Atz (90.) gleich zweimal die die Führung der Borussia (Ralph Flausse und Marco Schmit) ausgleichen und dem Favoriten erneut einen Punkt abknöpfen. Doch das konnten die Borussen verkraften, genügte dem Team von Stefan Kuntz, das zuvor in 14 Spielen ungeschlagen geblieben war, doch das 2:2 zum vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft. Schon zuvor hatten die Borussia und der VfB in der Regionalliga Südwest (1970 – 1974) und in der damals drittklassigen Amateurliga Saar (1975 – 1977) die sportlichen Klingen gekreuzt. Hier gab es vor beachtlichen Kulissen (bis zu 8.000 Zuschauern!) meist zum Teil deutliche Siege der Borussia. Lediglich 1975 holte der VfB mit 1:1 einen Punkt im Ellenfeld, rang die Borussen 1976 im Schaumbergstadion sogar mit 2:1 nieder.

Erinnerungen (1): Jubel am Mai-Feiertag 1974 im Ludwigspark – soeben hat der VfB Theley beim 1. FC Saarbrücken mit 1:0 gewonnen und Borussia damit zum neuen Südwestmeister gemacht! (Archivfoto: Ellenfeld-Verein e.V. / Archiv Borussia Neunkirchen Hartung)

Ein sportliches Ereignis, an dem die Borussia direkt gar nicht beteiligt war, wird in den Annalen beider Vereine für immer seinen Platz haben. In der Saison 1973/74 – die letzte, die es in dieser Form mit den Regionalligen vor Einführung der neuen 2. Bundesliga geben sollte – lieferte sich die Borussia mit dem 1. FC Saarbrücken bis zum Schluss ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen. Vor dem letzten Spieltag rangierten beide Teams punktgleich an der Tabellenspitze. Der Erzrivale aus der Landeshauptstadt hatte vor dem Finale nicht nur das bessere Torverhältnis, sondern auch die vermeintlich leichtere Aufgabe. Deshalb musste Borussia, wollte man die kleine Chance auf die Meisterschaft wahren, das letzte Spiel am 1. Mai 1974 im Ellenfeld gegen den ASV Landau unbedingt gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage des FCS im Ludwigspark gegen den VfB Theley hoffen. „Eigentlich war das Erringen des Titels für die Saarbrücker nur noch eine Formsache“, heißt es in der Borussen-Chronik zum 90jährigen Vereinsbestehens, „und bereits vor dem Spiel hatte die Saarbrücker Führung die Theleyer zu einer Riesen-Meisterfeier eingeladen.“ Doch es kam ganz anders: Die Schaumberger spuckten den Malstattern gründlich in die Meistersuppe und siegten 1:0. Ausgerechnet der Ex-Saarbrücker Werner Kaiser traf nach 43 Minuten zum „goldenen Tor“ und stürzte den FCS in tiefe Depression. Im Ellenfeld dagegen knallten nach dem 4:0 gegen Landau die Sektkorken, und die Mannschaft des VfB Theley fuhr auf Einladung der Borussia mit ihrem Troß direkt ins Ellenfeld, wo man gemeinsam mit den Borussen bis in die Morgenstunden eine zünftige Titelparty feierte. Für den 1. FC Saarbrücken nahm die Sache dennoch ein positives Ende: Da dem SV Alsenborn die Lizenz verweigert wurde, ergatterten die Jungs aus dem Ludwigspark am Ende doch noch einen Platz in der Südgruppe der neuen 2. Bundesliga. Lang, lang ist´s her und trotzdem immer wieder interessant …

Erinnerungen (2): Borussia wird im Mai 2000 mit einem 2:2 in Theley Südwestmeister. Anspannung bei den Matadoren, als sie die Stufen zum Spielfeld hinabschreiten.

Während die Spielerfrauen ihre Meister längst gefunden haben …

… sorgen die Borussen-Fans unter den 3.000 Zuschauern für Heimspielatmosphäre …

… und feurig-heiße Stimmung am Schaumberg..

Die Mannschaft motiviert sich vor dem Anpfiff.

Nach einem Eckball landet der Ball im Theleyer Netz.

Am Ende warten Trainer Stefan Kuntz und sein Co Willi Ertz vor den SR-Kameras auf den Schlusspfiff. (Fotos: Videostandbilder von Thomas Burgardt – vielen herzlichen Dank!)

Zur Aktualität: Acht Spieltage lang musste man am Schaumberg auf einen Sieg warten, ehe mit dem 1:0 gegen Palatia Limbach II offenbar der Knoten geplatzt ist. Mit dem 3:1 am vergangenen Wochenende bei Hellas Bildstock ließen die Schwarz-Weißen dann gleich auch den ersten Auswärtssieg folgen. Dass in der Mannschaft Qualität steckt, hatte sich allerdings schon vorher bei den hart umkämpften Niederlagen gegen die Titelfavoriten Bliesmengen-Bolchen und FC Homburg II gezeigt, wo Theley nach tapferer Gegenwehr jeweils nur knapp mit 3:4 unterlag. Auch im Derby gegen den VfL Primstal (0:1) und bei der SG Lebach-Landsweiler (0:0) agierte man auf Augenhöhe. Personell setzt Trainer Martin Brill mehr denn ja auf die Jugend: Gleich sieben Spieler, die im Vorjahr noch für die U19 der JSG Schaumberg-Prims im Nachwuchsbereich unterwegs waren, sind im Sommer ins Aufgebot des Vorjahreszehnten aufgerückt. Kein Wunder, hat doch der neue Übungsleiter, der in Theley wohnt und im Sommer Vorgänger Boris Becker ablöste, bei der JSG Schaumberg-Prims und Hertha Wiesbach bereits als Trainer im Jugendbereich gearbeitet.

Mit diesem Aufgebot will der VfB in der Liga eine gute Rolle spielen und auf einem einstelligen Tabellenplatz landen (oben). Sie prägen dabei das Gesicht des Teams (unten v.li.): Trainer Martin Brill, der bislang beste Torschütze Lars Weber (6 Treffer), der beste Vorlagengeber Philipp Scherer und Routinier Michael Stolz, der aus Furpach kam. (Fotos: fupa.net)

Mit dem oberligaerfahrenen Marc Pesch, der zuletzt zwei Jahre für den FV Eppelborn auflief, sollte Martin Brill eigentlich einen Führungsspieler und spielenden Co-Trainer als verlängerten Arm auf dem Spielfeld bekommen, doch Pesch sagte aufgrund privater und beruflicher Hintergründe kurzfristig und überraschend ab. Trotzdem ist es das Ziel des VfB, eine gute Rolle spielen. „Wir wollen gegenüber dem Vorjahr konstanter auftreten und peilen einen einstelligen Tabellenplatz an. Dazu wollen wir gerne die Teams oben in der Tabelle ärgern und vor allem zuhause eine Mannschaft sein, bei der die anderen nur ungern antreten.“, hat der sportliche Leiter Mario Loncar vor Saisonbeginn angekündigt. Neben den ganz jungen Neuzugängen sollen Abwehrspieler Maximilian Johannes, der mit Oberliga-Erfahrung aus Eppelborn gekommen ist, und der routinierte Mittelfeldakteur Michael Stolz (34, vom SV Furpach) helfen, dieses Ziel zu realisieren.

Erinnerungen (3): Einer von acht Treffern gegen Theley. In der Sommervorbereitung 2021 siegte Borussia gegen Theley unter anderem mit einem Kopfballtor von Tim Klein mit 8:0 – angesichts der veränderten personellen Verhältnisse sicher kein Maßstab mehr für die morgige Partie! (Archivfoto: -jf-)

Für die Borussen gilt es zunächst, die Baustelle Defensive zu schließen, will man überhaupt einen Gedanken an den ersten Saisonsieg verschwenden. Denn die anfänglich vorhandene Stabilität in den Spielen gegen die Titelfavoriten Lebach/Landsweiler, Primstal und auch Steinbach ist zuletzt abhanden gekommen. Die regelrechte Flut von 16 Gegentoren allein in den letzten drei Spielen spült gleich sämtliche Hoffnungen hinweg und muss unbedingt eingedämmt werden. „Mit Ordnung und Struktur, einem intelligenten Miteinander, wie die Mitspieler abgesichert und Räume geschlossen werden, Disziplin und hoher Intensität“ – Aspekte, die Kicker-Redakteur Jan Lustig in der Donnerstag-Ausgabe des Magazins im Bezug auf die Defensivkrise von Borussias Namenscousine aus Mönchengladbach nennt, könnten auch für die Borussen der Schlüssel sein. Ein Erfolg könnte für Borussia, die in Zukunft auf die Dienste von Dhiyauldin Fouzi Souzy (zurück in die Heimat nach Libyen) verzichten muss (wir berichteten) sicher ein erster Schritt hin zu einer Wende sein.  

Borussia begrüßt den VfB Theley sowie Schiedsrichter Valmir Selmonaj aus Püttlingen (der 30jährige saarlandligaerfahrene Referee pfeift für den FC Kandil Saarbrücken) und seine Assistenten Bassem Abbas und Bayram Senol herzlich im Ellenfeld und wünscht der Partie einen fairen und spannenden Verlauf! (-jf-)

Ein interessanter Beitrag über den VfB Theley und sein Schaumberg-Stadion findet sich in der ARD-Mediathek unter folgendem Link:

https://www.ardmediathek.de/video/sportarena/schaumbergstadion-traditionelles-herz-und-moderner-geist/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9TQV8xNTc5MTUvc2VjdGlvbi81

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